Dienstag, 8. Januar 2013

DIENSTAG #13

"Liebe in Zeiten des Internets". Mal ehrlich, warum reden wir ausgerechnet über so ein Thema? Vor allem ausgerechnet dann, wenn ich im Anschluss eine Klausur schreibe. Wer hat sich das denn ausgedacht?

Ein Teil des Kurses guckt schon bei dem Versuch, "Liebe" zu definieren leicht beschämt zu Boden. Wir sind nicht die ersten, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Ganze Bücher wurden dazu schon geschrieben, Philosophen, Naturwissenschaftler und viele andere haben sich deswegen bereits den Kopf zerbrochen. Da muss man doch nicht an einem Dienstagmorgen so eine Frage stellen. Für mich war der Tag ohnehin schon gelaufen angesichts einer Klausur, auf die ich mich nur leidlich vorbereitet hatte. Der einzige Trost: Das war tatsächlich die letzte Klausur meines Bachelor-Studiums und letztendlich gar nicht mal schwer. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich bestimmt auch mal einen Blick in den Text geworfen, der für die heutige Sitzung vorgesehen war.

Mitterweile habe ich es geschafft, den Text zumindest zu überfliegen, denn das Thema "Liebe in Zeiten des Internets" ist ja prinzipiell nicht unspannend. Ich kenne Paare, die sich im Netz kennengelernt haben und zusammen glücklicher nicht sein könnten. Genauso kenne ich aber auch Menschen, die dabei ganz fürchterliche Erfahrungen gemacht haben. Ich für meinen Teil kann ehrlich zugeben, dass ich über das Internet jetzt vielleicht nicht unbedingt Liebe gefunden habe - dafür aber Menschen kennengelernt habe, die ich zu meinen engsten Freunden zähle. Selbst einen Teil meiner Kommilitonen habe ich damals (ist ja nun schon ein Weilchen her) über StudiVZ kennengelernt, bevor wir uns auf einen Cocktail im Bermudadreieck getroffen haben.

Freundschaft oder Liebe aus einer Internetbekanntschaft heraus kann meiner Meinung nach durchaus funktionieren, ist allerdings in manchen Punkten bestimmt nicht einfach. Schließlich versucht jeder (zumindest ein wenig), nicht sich selbst, sondern vielmehr ein Idealbild von sich selbst im Netz zu präsentieren. Das ist ja irgendwo selbstverständlich, auch von mir wird man keine ungeschminkten Zombie-Wahrheiten oder Partybilder mit Zigarette und Schnaps in der Hand finden. Zumindest nicht ohne Weiteres. Allerdings versuche ich dennoch, möglichst wenig zu schönen und mir wurde auch schon gesagt, dass ich mich mündlich tatsächlich genauso artikuliere wie in Nachrichten über WhatsApp oder Facebook. Finde ich auch wichtig. Natürlich möchte ich nicht, dass man zu viele Rückschlüsse auf meine Person ziehen kann, wenn ich mich im Netz bewege - ich probiere einfach, da eine möglichst gesunde Balance zu finden.