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Dienstag, 2. April 2013

DIENSTAG #25

Ich muss sagen, das ist ein verdammt gutes Gefühl. Heute Morgen habe ich tatsächlich - und ich kann es ehrlich gesagt selbst noch nicht fassen - die letzte Hausarbeit eingereicht, die relevant für meine Abschlussnote ist. Wie immer ein reiner Kampf. Ich meine, die zweite mündliche Bachelorprüfung steht nächste Woche an und da sind noch ungefähr hundert andere Dinge, die schnellstmöglich fertig sein müssen. Aber! Immerhin dieses fürchterliche Term Paper ist tatsächlich fertig geworden. Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn ich musste mich erstmal von der Prüfungsvorbereitung loseisen, denn nicht einmal die erschien mir so schrecklich wie dieses Paper. Das Wunschthema wurde eiskalt abgeschmettert und so blieb ich dem doch sehr ungeliebten. Und wer hat sich eigentlich diesen Quatsch ausgedacht, dass in Linguistik anders zitiert und formatiert und und und wird? Schritt 1, Thema und Gliederung standen fest, da tauchte ich ab in die Tiefe der Literaturrecherche. Das heißt seit einiger Zeit auch, dass ich quer durch NRW Büchern hinterherreise. Der Mitbewohner einer Freundin zeigte sich aber sehr gnädig und besorgte mir ein gewünschtes Buch aus Düsseldorf, während die Schwester des Ex-Freundes von der Uni Augsburg einen Aufsatz einer Zeitschrift herunterludt, auf die die RUB keinen Zugriff hat. Literaturrecherche 2.0 würde ich mal sagen. Erkenntnis des Tages: Facebook-Freunde erfüllen doch einen Zweck und ich sollte mich hüten, diese jemals auszusortieren. Stück für Stück kam ich also voran. Erst der theorethische Teil, dann die Analyse, dazwischen die Einleitung, mehr Analyse und Diskussion. Punkt 312100mar13 kam ich endlich dazu, das Fazit zu schreiben. Drei Stunden Zeit bis zur Abgabe und ich war doch sehr dankbar, jeden Teil bereits einzeln korrigiert und formatiert zu haben. Dass das immer so ein Drama ist. Allerdings schaffe ich es auch nach 7. Semestern Universitätsstudium nicht, eine zusammenhängende Hausarbeit inkl. Deckblatt, Inhaltsverzeichnis usw. in Word zu schreiben und(!) zu formatieren. Seitenzahlen und ich, wir sind wirklich keine guten Freunde, werden wir auch wohl nie. Aber weil ich ja nicht ganz so doof bin, wie ich manchmal tue, habe ich Mittel und Wege gefunden, die Hausarbeit irgendwie in ein pdf-Dokument zu quetschen.

Nach der Abgabe ging es dann zurück in die Bibliothek, die Prüfung steht ja an! In Anglistik darf ich dann auch endlich mal zeigen, was ich dort in sechs Semestern gelernt habe. Bulimielernen ohne Tiefe in möglichst kurzer Zeit und natürlich auch so viel, wie es nur eben geht. Während ich in der Prüfung in Medienwissenschaft schon zur Begrüßung fast angefangen habe zu weinen, bin ich gerade sogar noch relativ entspannt. Mein Mantra: "Das ist ja fast so wie Schule!" Tief durchatmen, ich hab' alles im Griff. Glaube ich. Alle Noten, die jetzt noch kommen (mit Ausnahme der Bachelorarbeit und der bereits genannten Prüfung) sind völlig egal und ich überlege ja fast, ob ich die zwei Hausarbeiten, die noch anstehen, mit dieser Haltung schreiben sollte. (Martin und Herr Fahle - no offense!) Besser für Blutdruck und Schlaf wäre das allemal. Schließlich muss ich ja für mein glorreiches unbezahltes Praktikum im Sommer arbeiten und sparen. Vielleicht könnte mir das Finanzamt auch endlich mal meine Steuernummer ausstellen, damit ich das Geld für Job 3 bekomme. Job 2 könnte mich auch mal bezahlen, so nebenbei. Wie soll man denn so sparen? AAHHHH.

So, und jetzt werde ich noch mehr New Girl schauen. Seit Januar habe ich als Folge meines zwanghaften Aufschiebens Gilmore Girls und American Horror Story gesehen. Ist ja nicht so, dass ich sonst noch fünf andere Serien verfolge. Ups.

Dienstag, 12. Februar 2013

DIENSTAG #18

Dienstage sind super, das hatte ich ja bereits erwähnt. Vor allem sind Dienstage super, wenn man seit vier Nächten in Berlin ist, davon drei früh aufstehen musste und bereits drei Mal verschlafen hat. Ich muss sagen, das war eine ganz tolle Idee, noch gegen ein Uhr nachts durch Friedrichshain zu hüpfen, um Erinnerungsfotos in einem alten Fotoautomaten zu schießen. Wenn man anschließend noch duschen geht und dann im Endeffekt erst nach drei Uhr im Bett liegt, muss man sich nicht wundern, wenn man auch in der fünften Nacht verschläft. Das wäre ja alles nicht so tragisch, aber: a) hatte ich ein Vorstellungsgespräch um neun Uhr und b) fuhr mein Zug um exakt 13.58 Uhr ab. Wenn man also bedenkt, dass ich vom Hostel 40 bis 60 Minuten bis zu meinem ersehnten Praktikumsplatz brauchte und eigentlich vorher noch mein Gepäck am Hauptbahnhof einschließen wollte, wird es definitiv knapp, wenn der Wecker 8.39 Uhr zeigt. Das Beste kommt natürlich noch - ich hatte mir nämlich drei Wecker gestellt. DREI. Und alle drei habe ich nicht gehört.
Die Hostelgäste haben ziemlich doof geguckt, als ich halb angezogen auf dem Flur stand und verzweifelt versuchte, jemanden im Büro zu erreichen. Aber ich wäre nicht Kim, wenn ich nicht immer wieder unverschämtes Glück hätte. Einfach mal die Wahrheit sagen, dabei nicht in Tränen ausbrechen und mit anderthalbstündiger Verspätung zum Vorstellungsgespräch kommen. Das Ende vom Lied: Ich hab' den Praktikumsplatz. Das heißt: Ich muss jetzt wirklich mit meinem Studium fertig werden - und Geld sparen.

Mit dieser erleichternden Nachricht konnte ich mir dann auch endlich mal etwas Essbares gönnen und meine Heimreise antreten. Berlin - Hannover - Minden - Hamm - Münster - Dülmen. Kann man mal machen. Immerhin war es sein superduper Sparangebot der Deutschen Bahn und ich hab festgestellt, dass ich definitiv intelligenter bin als die App, die mir eigentlich die zügigste Verbindung nach Hause suchen sollte. Zumindest ab Minden. Hat ja insgesamt auch nur etwa 6,5 Stunden gedauert bis ich mich in mein ganz eigenes Bett fallen lassen konnte.

Memo an mich selbst: Auch in Berlin sollte man versuchen, mal ein Auge zuzumachen.

Dienstag, 29. Januar 2013

DIENSTAG #16

Bonjour tristesse. Die letzte Vorlesungswoche, die letzte Sitzung des Seminars. Ein allerletzter Tag, den ich dokumentieren musste. Musste? Naja, eigentlich hat es sich nie wie ein Zwang angefühlt. Das Problem ist viel eher das folgende: Ein nicht unerheblicher Teil meiner Dokumentationen ist bisher noch(!) gar nicht auf diesem Blog veröffentlicht worden. Das sollte ich schleunigst nachholen, denn ein Blog lebt ja irgendwie von seiner Aktualität. Was bringt also ein Blog, der (ich weiß, eigentlich heißt es "das Blog") immer nur schubartig auf den neusten Stand gebracht wird? Aber zurück zum Thema. Während ich mich also heute Morgen durch den Nieselregen quälte, die Gedanken mal wieder überall, nur nicht da, wo sie eigentlich sein sollten, versuchte ich, einen Abschluss für dieses kleine Projekt zu formulieren. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde mir allerdings bewusst: das muss ja gar kein Abschluss sein. Wenn ich will, kann ich ja einfach weiterhin schreiben. Ich hab' da ja mittlerweile eine Routine entwickelt. Jeden Dienstagabend setze ich mich kurz hin, tippe entweder direkt etwas oder halte meinen Tag in einigen Stichpunkten fest. Routine ist gut - und weil Routine so gut ist, habe ich mich auch für die Schreibwoche der RUB angemeldet, die vom Schreibzentrum angeboten wird. In der Woche vom 18. bis zum 22. Februar finden sich Studenten zusammen, die gemeinsam, aber dennoch für sich, an Hausarbeiten, Abschlussarbeiten oder sonstigen Projekten arbeiten wollen. Da ich ja wie bereits erwähnt, Meister der Prokastrination bin, werde ich die Gelegenheit - wie man so schön sagt - am Schopfe packen und zusehen, dass ich die eine oder andere "Leiche", die sich im Laufe des Studiums so angesammelt hat, aus dem Keller schaffe.

In der heutigen Sitzung erschienen mir manche Studenten fast ein bisschen wehmütig, dass dieses Projekt nun ein Ende haben soll. (Die, die vielleicht noch nie Tagebuch geführt haben, wahrscheinlich eher nicht... :D) Maren und Laura haben ihren Briefwechsel vorgestellt, den sie nicht nur für eine Dokumentation ihres Tages, aber auch zur Aufarbeitung des Seminars genutzt haben. Verglichen damit kommt bei mir der Seminarbezug vielleicht fast ein bisschen zu kurz, aber uns waren ja an sich keine Vorgaben gesetzt. Ich schreibe also über das, was mir so im Laufe des Dienstages so durch den Kopf gegangen ist. Das kann eben manchmal mit dem Seminar zu tun haben, manchmal eben aber auch einfach nicht. Insgesamt würde ich schon sagen, dass "Ich bin Uns" eines der interessanteren Seminare in meiner medienwissenschaftlichen Laufbahn war - trotz einiger Texte, bei denen ich mich ganz ernsthaft gefragt habe, warum Herr Fahle und Martin uns so quälen wollen. Ich bin halt irgendwie ohnehin schon hüfttief drin in den "sozialen Medien". Mehr als 350 Facebook-Freunde, über 500 Blog-Leser via Google Friend Connect (natürlich nicht auf diesem Blog), fast 400 Follower bei Instagram, 200 bei Twitter, noch einmal knapp 350 Leser über Bloglovin' - Dopplungen natürlich nicht ausgeschlossen. Da ich mich selbst weder für so interessant noch für gut gekleidet halte und selbst beim Bloggen gern und häufig der Prokrastination fröhne, verwundert mich das immer wieder. Ein gutes hatte dieses "Zwangsbloggen" allerdings: Irgendwie habe ich den Spaß daran wiedergefunden. Ich setze mich wieder gern hin und haue in die Tasten. Aus einer lästigen Pflicht ist wieder Freude geworden. Und das gilt vor allem fürs Bloggen als Hobby, dem ich mittlerweile seit knapp acht Jahren nachgehe.

Dementsprechend werde ich mein Dienstagstagebuch auf unbestimmte Zeit weiterführen. So gebe ich mir die Gelegenheit, fernab von Instagram, Twitter, Facebook und Co. einen Tag in meiner Woche tatsächlich einmal festzuhalten. In einem ausformulierten Text, nicht in einem Foto oder 140 Zeichen.

PS. Das Dienstagstagebuch unserer Dozenten in Videoform sollte öffentlich gemacht werden. Die beiden haben das Seminar nämlich nach jeder Sitzung bei einem guten Portwein (um zwöf Uhr mittags!) Revue passieren lassen - und das auf teilweise sehr humorvolle Art und Weise. Ich weiß jetzt zwar immer noch nicht, ob es Martin oder Herr Schlesinger und Herr Fahle oder Oliver und "du" oder "Sie" oder oder oder ist, aber immerhin hatten alle Anwesenden heute durchaus etwas zu lachen.

Dienstag, 22. Januar 2013

DIENSTAG #15

Im heutigen Seminar bekamen wir die Möglichkeit, mit Alex Rühle, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und Autor (Ohne Netz - Mein halbes Jahr offline) zu skypen. Gegenstand der Sitzung war sein bereits erwähnter Roman und die Erfahrungen, die er darin schildert. Vorab konnten wir uns mit einem großzügigen Auszug dieses Buches auf die Sitzung vorbereiten. Kurzum: Alex Rühle schildert in diesem "Tagebuch", wie er ein halbes Jahr auf Internet (und Smartphone) verzichtet hat. Erschienen ist das Buch 2010, da absolvierte ich gerade mein zweites bzw. drittes Semester. Zu dem Zeitpunkt nannte ich ein Sony Ericsson C905 mein Eigen. Nicht besonders smart, aber dennoch internetfähig. Als ich es mir im Sommer 2009 kaufte, konnte ich mir mir Sprüche wie "Internet auf dem Handy, wozu braucht man das denn?!" anhören. Nichtsdestotrotz. Ich fand es schon ganz schön praktisch. Navigation, Mails, Facebook und Twitter - alles auf einem Fleck! Nicht erwähnen muss ich, glaube ich, dass gerade die Bekannten, die derartige Kommentare mit hochgezogener Augenbraue äußerten, im Regelfall die ersten waren, die stolz ihr iPhone präsentierten. Jaja.

Ich hingegen wünsche mir in letzter Zeit - seit knapp einer Woche bin ich nun im Besitz eines iPhone 5, nachdem mein Samsung Galaxy SII mir immer häufiger den Dienst verweigerte - immer häufiger, dass es nicht diese gewisse Selbstverständlichkeit gäbe, immer und überall erreichbar zu sein. Dozenten in der Uni stellen am Abend vor der Sitzung schnell noch mal einen Text ins Blackboard, der Arbeitgeber ruft nachmittags an und möchte, dass man am nächsten Tag um acht Uhr auf der Matte steht und selbst Planungen für Abende mit den Freunden werden irgendwie so nebenbei gemacht. Die werden nämlich mit derselben Flüchtigkeit geplant wie auch wieder gecancelt oder sonstwie geändert. Mein Office ist ein beliebiges Bahnabteil. Da werden Texte für die Uni gelesen, Telefonate mit Arbeit #1 und #2 geführt, nebenbei die nächste Latein-Nachhilfestunde abgesprochen, Kurse für Arbeit #2 organisiert, recherchiert und Mails für Job #3 beantwortet und dank WhatsApp und der Möglichkeit, dort Gruppen zu bilden, Wochenendaktivitäten geplant. Bevor ich das iPhone hatte, war ich in der Lage, verschiedene Vibrationsmuster der jeweiligen Nachrichtenart zuzuordnen. Als meine Eltern mich fragten, warum ich denn wieder so ein "teures Teil" bräuchte, fiel mir nicht wirklich eine Antwort ein. Schon gar keine zufriedenstellende. Ich braaauchee das halt. Mit einer eindeutigen Betonung auf brauchen. Das klingt, als käme es auf einer Rangliste gleich nach Sauerstoff. Manchmal, da beantworte ich Mails noch vor sieben Uhr morgens. Die erste und letzte Amtshandlung eines durchschnittlichen Tages ist der Blick aufs Telefon. Als ich die Ausschnitte aus Ohne Netz - Mein halbes Jahr offline laß (in der Bahn natürlich), fühlte ich mich irgendwie ertappt, als die Rede von Phantomschmerzen war. Diese eingebildete Vibration des Handys, von dem Alex Rühle berichtete. Das kennen wahrscheinlich die meisten. Zunächst musste ich schmunzeln, um dann doch ein wenig erschrocken festzustellen, welchen Stellenwert das Bedürfnis nach Verbundenheit mit seiner Umwelt eingenommen hat.

Das Buch schließt mit dem Kommentar eines Kollegen Rühles, der lieber auf seine Finger als auf das Internet verzichten würde. Und da war es wieder, das zweite Semester. Marshall McLuhan und Medien als "extension of man". Gleichzeitig musste ich an meinen Vater denken, der davon überzeugt zu sein scheint, dass mein Arm mit meinem Smartphone verwachsen ist. Das scheint irgendwie ganz schön vielen Menschen so zu ergehen... Wenn ich während eines Kurses (Job #2, zur Orientierung) die langersehnte erste Pause nach etwa 90 Minuten einleite, zücken meine "Kurskinder" (in der Regel um die 16 Jahre alt) direkt ihre Handys. Anstatt sich miteinander zu unterhalten wird geschwiegen.

Dieses Thema hat mich den ganzen Tag beschäftigt und ich denke, das wird auch noch eine Weile so bleiben. In der Ausgabe 10/2011 der Frankfurter Hefte gibt es einen interessanten Artikel von Tobias Eberwein, den ich u.a. noch dazu gelesen habe. Es geht dabei speziell um Socia Media[1].

Meine Frage an Alex Rühle war: "Würden Sie das noch einmal machen?" Er beantwortete die Frage mit "ja", sagte aber auch, dass es heutzutage, also etwa drei Jahre später, wohl noch schwieriger wäre. Das glaube ich ihm sofort. Schließlich hat mein feuerroter Fuchs gerade sechs geöffnete Tabs (eines davon Twitter), mein Notebook ist an meine Knie gelehnt und auf dem Bauch ruht mein iPhone. Im Hintergrund rattern Dropbox und Evernote. Nach der Sitzung landete Ohne Netz - Mein halbes Jahr offline auf meiner Wunschliste bei Amazon. (Ironie, haha.) Schließlich warten hier noch zwei Dutzend ungelesene Bücher auf ihren Einsatz. Irgendwann nehme ich mir die Zeit. Bestimmt.


[1] http://www.frankfurter-hefte.de/upload//2011_10_Eberwein_Web.pdf (22.01.2012)

Dienstag, 15. Januar 2013

DIENSTAG #14

Mein zweiter Vorname sollte nicht "Laura" sein, sondern viel eher "Prokastrination" - ein hässlicher Name für eine hässliche Eigenschaft. Das heißt im Detail, morgen findet meine erste mündliche Bachelorprüfung statt und was habe ich geschafft heute? Nicht viel. Mein Leidensdruck muss anscheinend erst so richtig groß sein. Oder vielleicht hat auch schon eine gewisse Angstlähmung bei mir eingesetzt. Heute Morgen bin ich noch voller Elan aufgewacht, früh aufgestanden, habe fest entschlossen, dass Seminar geschwänzt, um letzte Vorbereitungen für den morgigen Tag zu treffen. Im Endeffekt konnte ich mich bis etwa 15.00 Uhr gar nicht aufraffen, was heißt, dass ich entweder a) hätte ausschlafen oder b) das Seminar hätte besuchen können. Aber wie sagt man doch gleich so schön: "Hätte, hätte, Fahrradkette!" Jetzt sitze ich hier mit all meinen Notizen um mich herum verstreut, schaue zum gefühlt hundertsten Mal die beiden Filme für eines meiner Prüfungsthemen und versuche, mich zumindest ganz kurz noch einmal abzulenken, bevor ich mich durch eine kurze Nacht arbeiten werde.
Manchmal glaube ich, ich habe das System des minimalen Aufwands bei maximalem Gewinn durchaus perfektioniert. Immerhin habe ich seit Silvester fast drei Staffeln Gilmore Girls gesehen, dabei keine einzige Folge meiner sonstigen Serien verpasst, war arbeiten, feiern und habe zwischendurch sogar mal ein Auge zugemacht. Wenn mir jemand ein Zeitumkehrer-Stundenglas wie das von Hermine in Harry Potter anbieten würde, ich wäre sofort dabei. Dann hätte ich nämlich die Zeit dafür, allen Dingen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient hätten. Ohja.

Ich würde ja gern noch viel mehr darüber schreiben, wie ich es schaffe, jedes Mal meine Zeit zu vertrödeln, aber das würde in diesem Fall bedeuten, dass ich noch mehr Zeit vertrödele, die ich eigentlich für etwas ganz anderes (und, nebenbei gesagt: viel Wichtigeres) aufwenden sollte. Also, Daumen drücken ist angesagt.

PS. Sobald ich es geschafft, die für heute angesetzte Reportage komplett zu schauen und auch die dazugehörigen Texte zu lesen, werde ich hier darüber schreiben. Auch wenn ich den Gastvortrag heute verpasst habe, spannend ist das Thema allemal.

Dienstag, 8. Januar 2013

DIENSTAG #13

"Liebe in Zeiten des Internets". Mal ehrlich, warum reden wir ausgerechnet über so ein Thema? Vor allem ausgerechnet dann, wenn ich im Anschluss eine Klausur schreibe. Wer hat sich das denn ausgedacht?

Ein Teil des Kurses guckt schon bei dem Versuch, "Liebe" zu definieren leicht beschämt zu Boden. Wir sind nicht die ersten, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Ganze Bücher wurden dazu schon geschrieben, Philosophen, Naturwissenschaftler und viele andere haben sich deswegen bereits den Kopf zerbrochen. Da muss man doch nicht an einem Dienstagmorgen so eine Frage stellen. Für mich war der Tag ohnehin schon gelaufen angesichts einer Klausur, auf die ich mich nur leidlich vorbereitet hatte. Der einzige Trost: Das war tatsächlich die letzte Klausur meines Bachelor-Studiums und letztendlich gar nicht mal schwer. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich bestimmt auch mal einen Blick in den Text geworfen, der für die heutige Sitzung vorgesehen war.

Mitterweile habe ich es geschafft, den Text zumindest zu überfliegen, denn das Thema "Liebe in Zeiten des Internets" ist ja prinzipiell nicht unspannend. Ich kenne Paare, die sich im Netz kennengelernt haben und zusammen glücklicher nicht sein könnten. Genauso kenne ich aber auch Menschen, die dabei ganz fürchterliche Erfahrungen gemacht haben. Ich für meinen Teil kann ehrlich zugeben, dass ich über das Internet jetzt vielleicht nicht unbedingt Liebe gefunden habe - dafür aber Menschen kennengelernt habe, die ich zu meinen engsten Freunden zähle. Selbst einen Teil meiner Kommilitonen habe ich damals (ist ja nun schon ein Weilchen her) über StudiVZ kennengelernt, bevor wir uns auf einen Cocktail im Bermudadreieck getroffen haben.

Freundschaft oder Liebe aus einer Internetbekanntschaft heraus kann meiner Meinung nach durchaus funktionieren, ist allerdings in manchen Punkten bestimmt nicht einfach. Schließlich versucht jeder (zumindest ein wenig), nicht sich selbst, sondern vielmehr ein Idealbild von sich selbst im Netz zu präsentieren. Das ist ja irgendwo selbstverständlich, auch von mir wird man keine ungeschminkten Zombie-Wahrheiten oder Partybilder mit Zigarette und Schnaps in der Hand finden. Zumindest nicht ohne Weiteres. Allerdings versuche ich dennoch, möglichst wenig zu schönen und mir wurde auch schon gesagt, dass ich mich mündlich tatsächlich genauso artikuliere wie in Nachrichten über WhatsApp oder Facebook. Finde ich auch wichtig. Natürlich möchte ich nicht, dass man zu viele Rückschlüsse auf meine Person ziehen kann, wenn ich mich im Netz bewege - ich probiere einfach, da eine möglichst gesunde Balance zu finden.

Dienstag, 11. Dezember 2012

DIENSTAG #9

Bevor das hier jetzt jemand in den falschen Hals bekommen könnte, nein. Es ist nicht so, dass ich Gender Studies nicht ernst nehmen würde. Ganz im Gegenteil. Allerdings lache ich über kaum einen anderen Bereich, den ich bisher während meines Studiums kennengelernt habe, lieber. Das Schöne daran ist, dass die meisten anderen Geisteswissenschaftler auch darüber lachen. Heute rätselten wir darüber, was denn wohl in so einem Gender-Quiz gefragt werden könnte. Ich weiß es immer noch nicht, vielleicht erfahre ich es ja noch irgendwann. Es gibt da bestimmt Menschen, die auf dem Fachgebiet bewanderter sind als ich. Mal ganz davon abgesehen sollte man den heutigen Dienstag im Gedächtnis behalten. Tanja ist nämlich heute zum allerersten Mal pünktlich gekommen in diesem Semester. Fast zumindest. Das klappt schon noch. Und. Ich war heute in der Bibliothek und habe zum ebenfalls allerersten Mal einen Tischapparat aufgestellt. Jetzt fühle ich mich gleich viel fleißiger und intelligenter und besser auf meine Prüfung vorbereitet. Das kann ja was werden. (Immerhin. Wenn ich die überlebt habe, werde ich mich mit einem Besuch der Berlinale 2013 belohnen. Die Bestätigung des Akkreditierungsantrags kam nämlich heute. Juhu!)

Dienstag, 4. Dezember 2012

DIENSTAG #8

Ich hasse Dienstage. Wirklich. Das ist der Tag, an man erst wirklich merkt, was ein langes Wochenende einem antut. Da merkt man, dass es irgendwie eine miese Idee zwar, in der vergangenen Samstagnacht nur eine Stunde zu schlafen, wenn man beide Tage am Wochenende arbeiten muss. Das kommt erfahrungsgemäß (kann ich ja jetzt so sagen) sehr gut an. Man muss nämlich gar nichts getrunken haben, um sich irgendwann doch sehr betrunken zu fühlen. Also begann mein Dienstag mit dem üblichen Weckerklingeln, das furchtbare Konnotationen bei mir hervorruft. Klar, Sport ging ja am Montag noch. Da ist man ja auch noch ganz euphorisch, was das grandiose Wochenende betrifft. Aber Dienstag? Da hilft auch kein Kaffee mehr, sondern es wird einfach hemmungslos auf die Snooze-Taste gehauen. Etwa eine Stunde lang. Gute Idee. Der geneigte Student hat ja aber schon gelernt, unter Druck zu arbeiten und so stellt es keine Herausforderung dar, sich gleichzeitig in akzeptable Klamotten zu quälen, ein neues, viel wacheres Gesicht zu malen, zu frühstücken und die neuste Folge seiner Lieblingsserie zu schauen. (An dieser Stelle möchte ich dringend davon abraten, zum Bus zu rennen und dabei zu frühstücken. Ich sage nur: Nahtoderfahrung.) Manchmal frage ich mich, wer überhaupt mitbekommt, dass ich in den allermeisten Fällen an unfassbarer Übermüdung leide. Das wird ja auch nicht besser im Laufe des Tages. Nein, nein. Nach der Uni entflieht man dem mistigen Wetter und legt sich ins Bett. Man liest hochwertige Uni-Lektüre und überzeugt das eigene Gewissen, dass man nur ein kurzes Nickerchen macht. Ahja. Auf einmal ist es dann nach 19 Uhr und eine schnelle Ausrede muss her. Schließlich muss man sich bei so einem Dienstabend ja bewegen. Und das Bett ist ja auch schon so schön angewärmt.

PS. Irgendwie ist es unangenehm, wenn man das leise Gefühl hat, von seinen Dozenten dabei ertappt worden zu sein, wie man gedankenverloren seinen Kuschelpulli streichelt. Liebevoll.

Dienstag, 27. November 2012

DIENSTAG #7

Heute war ein entspannter Tag. Anstatt über Texte und Erfahrungen zu diskutieren, stand eine Filmsichtung an. Life in a Day von Regisseur Kevin Macdonald. Ich hatte bisher zwar von diesem Film gehört, ihn aber noch nicht gesehen. Um es kurz zu machen: Bei Life in a Day handelt es sich nicht um einen Film im konventionellen Sinne, es ist vielmehr eine Auswahl aus 4500 Stunden Footage, das am 24. Juli 2010 auf der ganzen Welt aufgenommen wurde. Die Inhalte sind vielfältig, aber immer berühren sie. Es werden krasse Gegensätze gezeigt, von reich bis arm, jung bis alt, krank bis gesund.

Ich fand den Film insgesamt sehr bewegend, doch gerade die interessantesten Sequenzen wirkten durch ihre professionelle Aufnahme (fernab von der Cliphaftigkeit YouTubes) irgendwie inszeniert und alles andere als zufällig. Die Überleitungen wirkten wiederum stimmig und so empfand ich eben gerade diese bloße Aneinanderreihung verschiedener Clips gar nicht so ungewohnt oder gar störend.

Instinktiv habe ich mich im Verlauf des Films gefragt: Was habe ich am 24. Juli 2010 gemacht? Ohne weiteren Anhaltspunkt wird das wohl kaum jemand aus dem Stehgreif beantworten können und so sollte ich am liebsten einen alten Kalender in die Hand nehmen und nachschlagen. Von ganz banalen Aktivitäten abgesehen lassen sich damit nämlich die letzten Jahre meines Lebens ziemlich gut nachvollziehen. Überraschenderweise sollte diese Frage gegen Ende des Films schon beantwortet werden, als Bilder der Loveparade 2010 in Duisburg gezeigt wurden. Die meisten Deutschen werden konkrete Erinnerungen an diesen Tag haben. Ich weiß noch, wie ich an besagtem Samstag in der Uni saß und zwei Klausuren (Communication I und Translation I) schrieb. Als ich am Nachmittag im Zug gen Heimat saß, bekam ich eine SMS-Alarmierung mit der Bitte um Bereitstellung unserer Einsatzeinheit bei der Loveparade. Den Rest des Tages verbrachte ich, mittlerweile zuhause angekommen, vor dem Fernseher sitzend - völlig fassungslos.

Unabhängig von meinen Erfahrungen hat Life in a Day gezeigt, wie flüchtig Zeit ist. Ein Tag ist verdammt kurz und in den allermeisten Fällen auch verdammt banal. Nichts Besonderes. Das ist auf der einen Seite schade, animiert einen aber auch irgendwo, die Tage nicht einfach so vorbeiziehen zu lassen. Carpe diem. Seize the day. Man kennt das ja.

Dienstag, 13. November 2012

DIENSTAG #5

Nach einer Pyjamaparty ist das mit der Selbstmotivation irgendwie noch schwieriger als ohnehin schon. Ich bräuchte eigentlich permanent einen Trupp Cheerleader, der mich anfeuert - oder einen Drill Sergeant, der mich anschreit. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, was ich schlimmer finden soll.

Gemessen an dem, was ich aus dem Seminar so mitgenommen habe, war ich wohl mal wieder nur körperlich anwesend. Ärgerlich. Eigentlich gehe ich nämlich schon irgendwie gern hin. Immerhin habe ich die vier Funktionen des Dokumentarischen nach Renov mitbekommen:
a) to record, reveal, or preserve,
b) to persuade or promote,
c) to analyze or interrogate or
d) to express.
Interessant war in meinen Augen die Fragestellung, ob das alles überhaupt etwas mit sozialen Medien zu tun hat. Die Frage ist ja quasi schon so gestellt, dass man sie mit "ja" beantworten muss. Die Frage ist also vielmehr: Was hat das mit sozialen Medien zu tun? Wenn ich so darüber nachdenke, dann muss ich vor allem an die Aussage Renovs denken, dass diese Kategorien sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern auch überlappen können. Soziale Medien sind meiner Meinung nach dazu in der Lage alle Funktionen in sich zu vereinen und das grenzt sie von anderen Formen der Dokumentation ab. Hinzu kommt die Möglichkeit, sich eben auszutauschen, zu kommentieren. Dieser Austausch hat dann wiederum Einfluss auf die Dokumentation, usw.

Dienstag, 6. November 2012

DIENSTAG #4

Ich bin unfassbar motiviert. Nicht. Den größten Teil der heutigen Seminarsitzung habe ich bereits erfolgreich verdrängt. Wie soll man denn überhaupt etwas lernen, wenn man anschließend eine zweiminüte "Rede" halten muss, die zu allem Überfluss auch noch auf Video aufgezeichnet wird? Da suche ich mir schon ein Thema aus, das ich in- und auswendig beherrsche, da packt mich der Zeitdruck und ich mache das, was ich am besten kann: schnell reden. Viel zu schnell. Immerhin fließt das nicht in unsere Endnote ein und ich muss mir den Mitschnitt, den wir nächste Woche bekommen nur ein einziges Mal ansehen. Das werde ich natürlich bis zum Ende des Semesters aufschieben, um nicht an dieses durchaus unangenehme Ereignis erinnert zu werden. Immerhin ereilte mich noch die freudige Botschaft einer eingetrudelten Note. Ich liebe das ja. VSPL verschickt Mails mit dem Hinweis auf eine neu eingetragene Note. Natürlich (ich nehme mal an aus Datenschutzgründen) findet man die eigentliche Note nicht in der Mail. Man kann sie auch nicht mal eben so online nachschauen. Sonst würde ich das ja mit meinem ultramodernen Handy tun. Aber nein, man braucht ja seinen Kartenleser für so etwas. Umstand lässt grüßen. Der Umstand wird aber wie so oft dadurch gerechtfertigt, dass ich eher tanzen als weinen möchte beim Anblick meiner Note. 1,3 für eine Linguistik-Übung, in der man quasi nix gelernt hat? Geht klar! Ebenso konnte die Nachbesprechung für den ziemlich reibungslosen Einsatz in Unna-Massen (ich berichtete) meine Laune etwas heben. Nur weil mal etwas nicht perfekt gelaufen ist, muss ich mir nicht die Decke über den Kopf ziehen und mich in Grund und Boden schämen. Sollte ich zumindest nicht. Hauptsache, da steht eine Eins vor dem Komma. (Ha ha.)

Nichtsdestotrotz habe ich gerade noch einmal einen kurzen Blick in den Text geworfen, um noch ein paar kurze Gedanken zur heutigen Sitzung festzuhalten. Stichwort: Selbstreflexion, Selbstinszenierung. Gemessen an der Tatsache, dass ich mich schon seit Mitte 2005 in "sozialen Medien" tummle, eine durchaus interessante Sache. Ich glaube nicht, dass ich je versucht habe, mich wirklich anders darzustellen als ich tatsächlich bin. Aber natürlich wird hier und da auch mal etwas geschönt. Andere Leute müssen ja nicht alles über einen wissen. Davon abgesehen definiert man sich ja auch häufig über ein gewisses Miteinander oder Abgrenzen von Personen, Interessensgebieten usw. Wenn ich über mich rede, dann gehören da auch immer andere Personen dazu. Solche, die mir wichtig sind und deren Meinung mir wichtig ist. Die wollen sich vielleicht nicht unbedingt auf Blogs oder auf Facebook wiederfinden - und das ist auch völlig okay so.
Wenn es um Selbstreflektion geht, kann ich mich selbst zitieren:
7. September 2012
"Sehr, sehr lange hat das Bloggen mir gar nicht mal so gefehlt. Aber irgendwie braucht man es doch, dieses Ventil. Deshalb bin ich wieder hier, auch wenn es in den letzten Monaten einige Veränderungen gab, von denen mich ein paar immer noch sehr beschäftigen und auch jetzt noch manchmal aus der Bahn werfen.
Allerdings war das Bloggen oft eine Stütze für mich, um Ereignisse zu überdenken, zu ordnen - um letzten Endes auch daraus lernen zu können."
So sieht's aus und nicht anders. Vielleicht habe ich auch genau deshalb diese Plattform für meine Form des Dienstagstagebuchs gewählt. Everything happens for a reason und so!

Dienstag, 16. Oktober 2012

DIENSTAG #1


| Moleskine Large Weekly Notebook 18 Months 2012/2013: der x-te Kalender seit 2004 |

Eine Art Tagebuch führen, Dienstage festhalten, dokumentieren. Als uns diese Aufgabe in der ersten Sitzung des Seminars gestellt wurde, waren mir zwei Dinge sofort klar: a) das Ganze hört sich jetzt irgendwie einfacher an, als es wahrscheinlich sein würde und b) ich muss das bloggen. Schließlich lassen sich die letzten Jahre meines Lebens anhand verschiedener Blogs, handschriftlich geführter Kalender und Tagebücher beinah lückenlos zurückverfolgen. Noch im September schrieb ich: "Allerdings war das Bloggen oft eine Stütze für mich, um Ereignisse zu überdenken, zu ordnen – um letzten Endes auch daraus lernen zu können." Nachdem ich mir aus verschiedensten Gründen eine mehrmonatige Pause von dieser Nachverfolgbarkeit genommen hatte, war ich wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Gerade deshalb musste ich vielleicht besonders schmunzeln, als uns diese Aufgabe gestellt wurde. Nun ist es wohl nicht immer möglich, direkt alles online zu stellen, wo Mobile Blogging ja doch noch unkomfortabel ist. Ich werde zumindest versuchen, einiges in Notizen (da gibt es ja verschiedenste Möglichkeiten, auch abseits des guten, alten Notizbuchs, z.B. Evernote) festzuhalten, hier und da ein paar Fotos zu schießen, um das dann hier in irgendeiner Form festzuhalten.