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Dienstag, 2. April 2013

DIENSTAG #25

Ich muss sagen, das ist ein verdammt gutes Gefühl. Heute Morgen habe ich tatsächlich - und ich kann es ehrlich gesagt selbst noch nicht fassen - die letzte Hausarbeit eingereicht, die relevant für meine Abschlussnote ist. Wie immer ein reiner Kampf. Ich meine, die zweite mündliche Bachelorprüfung steht nächste Woche an und da sind noch ungefähr hundert andere Dinge, die schnellstmöglich fertig sein müssen. Aber! Immerhin dieses fürchterliche Term Paper ist tatsächlich fertig geworden. Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn ich musste mich erstmal von der Prüfungsvorbereitung loseisen, denn nicht einmal die erschien mir so schrecklich wie dieses Paper. Das Wunschthema wurde eiskalt abgeschmettert und so blieb ich dem doch sehr ungeliebten. Und wer hat sich eigentlich diesen Quatsch ausgedacht, dass in Linguistik anders zitiert und formatiert und und und wird? Schritt 1, Thema und Gliederung standen fest, da tauchte ich ab in die Tiefe der Literaturrecherche. Das heißt seit einiger Zeit auch, dass ich quer durch NRW Büchern hinterherreise. Der Mitbewohner einer Freundin zeigte sich aber sehr gnädig und besorgte mir ein gewünschtes Buch aus Düsseldorf, während die Schwester des Ex-Freundes von der Uni Augsburg einen Aufsatz einer Zeitschrift herunterludt, auf die die RUB keinen Zugriff hat. Literaturrecherche 2.0 würde ich mal sagen. Erkenntnis des Tages: Facebook-Freunde erfüllen doch einen Zweck und ich sollte mich hüten, diese jemals auszusortieren. Stück für Stück kam ich also voran. Erst der theorethische Teil, dann die Analyse, dazwischen die Einleitung, mehr Analyse und Diskussion. Punkt 312100mar13 kam ich endlich dazu, das Fazit zu schreiben. Drei Stunden Zeit bis zur Abgabe und ich war doch sehr dankbar, jeden Teil bereits einzeln korrigiert und formatiert zu haben. Dass das immer so ein Drama ist. Allerdings schaffe ich es auch nach 7. Semestern Universitätsstudium nicht, eine zusammenhängende Hausarbeit inkl. Deckblatt, Inhaltsverzeichnis usw. in Word zu schreiben und(!) zu formatieren. Seitenzahlen und ich, wir sind wirklich keine guten Freunde, werden wir auch wohl nie. Aber weil ich ja nicht ganz so doof bin, wie ich manchmal tue, habe ich Mittel und Wege gefunden, die Hausarbeit irgendwie in ein pdf-Dokument zu quetschen.

Nach der Abgabe ging es dann zurück in die Bibliothek, die Prüfung steht ja an! In Anglistik darf ich dann auch endlich mal zeigen, was ich dort in sechs Semestern gelernt habe. Bulimielernen ohne Tiefe in möglichst kurzer Zeit und natürlich auch so viel, wie es nur eben geht. Während ich in der Prüfung in Medienwissenschaft schon zur Begrüßung fast angefangen habe zu weinen, bin ich gerade sogar noch relativ entspannt. Mein Mantra: "Das ist ja fast so wie Schule!" Tief durchatmen, ich hab' alles im Griff. Glaube ich. Alle Noten, die jetzt noch kommen (mit Ausnahme der Bachelorarbeit und der bereits genannten Prüfung) sind völlig egal und ich überlege ja fast, ob ich die zwei Hausarbeiten, die noch anstehen, mit dieser Haltung schreiben sollte. (Martin und Herr Fahle - no offense!) Besser für Blutdruck und Schlaf wäre das allemal. Schließlich muss ich ja für mein glorreiches unbezahltes Praktikum im Sommer arbeiten und sparen. Vielleicht könnte mir das Finanzamt auch endlich mal meine Steuernummer ausstellen, damit ich das Geld für Job 3 bekomme. Job 2 könnte mich auch mal bezahlen, so nebenbei. Wie soll man denn so sparen? AAHHHH.

So, und jetzt werde ich noch mehr New Girl schauen. Seit Januar habe ich als Folge meines zwanghaften Aufschiebens Gilmore Girls und American Horror Story gesehen. Ist ja nicht so, dass ich sonst noch fünf andere Serien verfolge. Ups.

Dienstag, 12. Februar 2013

DIENSTAG #18

Dienstage sind super, das hatte ich ja bereits erwähnt. Vor allem sind Dienstage super, wenn man seit vier Nächten in Berlin ist, davon drei früh aufstehen musste und bereits drei Mal verschlafen hat. Ich muss sagen, das war eine ganz tolle Idee, noch gegen ein Uhr nachts durch Friedrichshain zu hüpfen, um Erinnerungsfotos in einem alten Fotoautomaten zu schießen. Wenn man anschließend noch duschen geht und dann im Endeffekt erst nach drei Uhr im Bett liegt, muss man sich nicht wundern, wenn man auch in der fünften Nacht verschläft. Das wäre ja alles nicht so tragisch, aber: a) hatte ich ein Vorstellungsgespräch um neun Uhr und b) fuhr mein Zug um exakt 13.58 Uhr ab. Wenn man also bedenkt, dass ich vom Hostel 40 bis 60 Minuten bis zu meinem ersehnten Praktikumsplatz brauchte und eigentlich vorher noch mein Gepäck am Hauptbahnhof einschließen wollte, wird es definitiv knapp, wenn der Wecker 8.39 Uhr zeigt. Das Beste kommt natürlich noch - ich hatte mir nämlich drei Wecker gestellt. DREI. Und alle drei habe ich nicht gehört.
Die Hostelgäste haben ziemlich doof geguckt, als ich halb angezogen auf dem Flur stand und verzweifelt versuchte, jemanden im Büro zu erreichen. Aber ich wäre nicht Kim, wenn ich nicht immer wieder unverschämtes Glück hätte. Einfach mal die Wahrheit sagen, dabei nicht in Tränen ausbrechen und mit anderthalbstündiger Verspätung zum Vorstellungsgespräch kommen. Das Ende vom Lied: Ich hab' den Praktikumsplatz. Das heißt: Ich muss jetzt wirklich mit meinem Studium fertig werden - und Geld sparen.

Mit dieser erleichternden Nachricht konnte ich mir dann auch endlich mal etwas Essbares gönnen und meine Heimreise antreten. Berlin - Hannover - Minden - Hamm - Münster - Dülmen. Kann man mal machen. Immerhin war es sein superduper Sparangebot der Deutschen Bahn und ich hab festgestellt, dass ich definitiv intelligenter bin als die App, die mir eigentlich die zügigste Verbindung nach Hause suchen sollte. Zumindest ab Minden. Hat ja insgesamt auch nur etwa 6,5 Stunden gedauert bis ich mich in mein ganz eigenes Bett fallen lassen konnte.

Memo an mich selbst: Auch in Berlin sollte man versuchen, mal ein Auge zuzumachen.

Dienstag, 5. Februar 2013

DIENSTAG #17

Die Berlin(ale)-Planungen sind im vollen Gange. Übermorgen geht es in aller Frühe los, morgen darf ich noch schnell zum Zahnarzt. Gestern hatte ich noch die zweifelhafte Ehre, so viel für die Arbeit zu schaffen wie nur möglich. Heute wurden also Sachen gepackt, letzte Dinge eingekauft, und vor allem: heute habe ich endlich mal einen Blick ins Programm geworfen. Die Auswahl erschlägt mich; ich überlege gerade ernsthaft, morgens bei der Ticketausgabe einfach nur Karten für Filme auszuwählen, deren Titel interessant klingen. Sollte unter Umständen auch funktionieren, tut es bei Büchern ja schließlich auch manchmal. Oh, Mann...

Natürlich könnte ich meine Zeit auch sinnvoller verbringen. Es ist ja nicht nur Arbeit, die aufgeschoben wird. Dazu kommt vor allem noch jede Menge Liegengebliebenes von der Uni. Es geht langsam in die letzte Runde. Ich muss noch drei Hausarbeiten schreiben bis zur Anmeldung meiner letzten Prüfungsleistung. Eine mündliche Prüfung fehlt mir auch - und die Arbeit. Klar, ich hab' mir damit insgesamt wirklich viel Zeit gelassen, aber ohne Anspruch auf BAföG oder laufenden Studienkredit ist ja auch irgendwie nie Eile geboten gewesen. Viel lieber habe ich meine freie Zeit zum Arbeiten (also Geldverdienen), für Praktika oder für eine Reise nach Neuseeland genutzt - oder, wie in den vergangen Semesterferien, zum Nichtstun. Meine Lieblingsausrede ist übrigens eindeutig diese: "Ich bin ja noch jung, schließlich hab' ich ein Schuljahr übersprungen!" Das stimmt sogar. Trotz einer tatsächlichen Bachelor-Laufzeit von acht Semestern werde ich mein Studium mit 22 Jahren beenden. Selbst im Master (wo auch immer ich den machen werde) werde ich auch weiterhin einer der jüngsten Studenten sein. Aaaaber, das find' ich voll okay.

Denn - und davon ist fest auszugehen - ich werde auch weiterhin diverse Dinge nebenbei tun. Nachhilfe geben, als Freelancer / Kursleiter / Call Center Agent arbeiten, Praktika absolvieren und hoffentlich auch wieder reisen. Wäre ja auch irgendwie langweilig, immer nur eine Sache gleichzeitig zu tun.

Dienstag, 22. Januar 2013

DIENSTAG #15

Im heutigen Seminar bekamen wir die Möglichkeit, mit Alex Rühle, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und Autor (Ohne Netz - Mein halbes Jahr offline) zu skypen. Gegenstand der Sitzung war sein bereits erwähnter Roman und die Erfahrungen, die er darin schildert. Vorab konnten wir uns mit einem großzügigen Auszug dieses Buches auf die Sitzung vorbereiten. Kurzum: Alex Rühle schildert in diesem "Tagebuch", wie er ein halbes Jahr auf Internet (und Smartphone) verzichtet hat. Erschienen ist das Buch 2010, da absolvierte ich gerade mein zweites bzw. drittes Semester. Zu dem Zeitpunkt nannte ich ein Sony Ericsson C905 mein Eigen. Nicht besonders smart, aber dennoch internetfähig. Als ich es mir im Sommer 2009 kaufte, konnte ich mir mir Sprüche wie "Internet auf dem Handy, wozu braucht man das denn?!" anhören. Nichtsdestotrotz. Ich fand es schon ganz schön praktisch. Navigation, Mails, Facebook und Twitter - alles auf einem Fleck! Nicht erwähnen muss ich, glaube ich, dass gerade die Bekannten, die derartige Kommentare mit hochgezogener Augenbraue äußerten, im Regelfall die ersten waren, die stolz ihr iPhone präsentierten. Jaja.

Ich hingegen wünsche mir in letzter Zeit - seit knapp einer Woche bin ich nun im Besitz eines iPhone 5, nachdem mein Samsung Galaxy SII mir immer häufiger den Dienst verweigerte - immer häufiger, dass es nicht diese gewisse Selbstverständlichkeit gäbe, immer und überall erreichbar zu sein. Dozenten in der Uni stellen am Abend vor der Sitzung schnell noch mal einen Text ins Blackboard, der Arbeitgeber ruft nachmittags an und möchte, dass man am nächsten Tag um acht Uhr auf der Matte steht und selbst Planungen für Abende mit den Freunden werden irgendwie so nebenbei gemacht. Die werden nämlich mit derselben Flüchtigkeit geplant wie auch wieder gecancelt oder sonstwie geändert. Mein Office ist ein beliebiges Bahnabteil. Da werden Texte für die Uni gelesen, Telefonate mit Arbeit #1 und #2 geführt, nebenbei die nächste Latein-Nachhilfestunde abgesprochen, Kurse für Arbeit #2 organisiert, recherchiert und Mails für Job #3 beantwortet und dank WhatsApp und der Möglichkeit, dort Gruppen zu bilden, Wochenendaktivitäten geplant. Bevor ich das iPhone hatte, war ich in der Lage, verschiedene Vibrationsmuster der jeweiligen Nachrichtenart zuzuordnen. Als meine Eltern mich fragten, warum ich denn wieder so ein "teures Teil" bräuchte, fiel mir nicht wirklich eine Antwort ein. Schon gar keine zufriedenstellende. Ich braaauchee das halt. Mit einer eindeutigen Betonung auf brauchen. Das klingt, als käme es auf einer Rangliste gleich nach Sauerstoff. Manchmal, da beantworte ich Mails noch vor sieben Uhr morgens. Die erste und letzte Amtshandlung eines durchschnittlichen Tages ist der Blick aufs Telefon. Als ich die Ausschnitte aus Ohne Netz - Mein halbes Jahr offline laß (in der Bahn natürlich), fühlte ich mich irgendwie ertappt, als die Rede von Phantomschmerzen war. Diese eingebildete Vibration des Handys, von dem Alex Rühle berichtete. Das kennen wahrscheinlich die meisten. Zunächst musste ich schmunzeln, um dann doch ein wenig erschrocken festzustellen, welchen Stellenwert das Bedürfnis nach Verbundenheit mit seiner Umwelt eingenommen hat.

Das Buch schließt mit dem Kommentar eines Kollegen Rühles, der lieber auf seine Finger als auf das Internet verzichten würde. Und da war es wieder, das zweite Semester. Marshall McLuhan und Medien als "extension of man". Gleichzeitig musste ich an meinen Vater denken, der davon überzeugt zu sein scheint, dass mein Arm mit meinem Smartphone verwachsen ist. Das scheint irgendwie ganz schön vielen Menschen so zu ergehen... Wenn ich während eines Kurses (Job #2, zur Orientierung) die langersehnte erste Pause nach etwa 90 Minuten einleite, zücken meine "Kurskinder" (in der Regel um die 16 Jahre alt) direkt ihre Handys. Anstatt sich miteinander zu unterhalten wird geschwiegen.

Dieses Thema hat mich den ganzen Tag beschäftigt und ich denke, das wird auch noch eine Weile so bleiben. In der Ausgabe 10/2011 der Frankfurter Hefte gibt es einen interessanten Artikel von Tobias Eberwein, den ich u.a. noch dazu gelesen habe. Es geht dabei speziell um Socia Media[1].

Meine Frage an Alex Rühle war: "Würden Sie das noch einmal machen?" Er beantwortete die Frage mit "ja", sagte aber auch, dass es heutzutage, also etwa drei Jahre später, wohl noch schwieriger wäre. Das glaube ich ihm sofort. Schließlich hat mein feuerroter Fuchs gerade sechs geöffnete Tabs (eines davon Twitter), mein Notebook ist an meine Knie gelehnt und auf dem Bauch ruht mein iPhone. Im Hintergrund rattern Dropbox und Evernote. Nach der Sitzung landete Ohne Netz - Mein halbes Jahr offline auf meiner Wunschliste bei Amazon. (Ironie, haha.) Schließlich warten hier noch zwei Dutzend ungelesene Bücher auf ihren Einsatz. Irgendwann nehme ich mir die Zeit. Bestimmt.


[1] http://www.frankfurter-hefte.de/upload//2011_10_Eberwein_Web.pdf (22.01.2012)

Dienstag, 15. Januar 2013

DIENSTAG #14

Mein zweiter Vorname sollte nicht "Laura" sein, sondern viel eher "Prokastrination" - ein hässlicher Name für eine hässliche Eigenschaft. Das heißt im Detail, morgen findet meine erste mündliche Bachelorprüfung statt und was habe ich geschafft heute? Nicht viel. Mein Leidensdruck muss anscheinend erst so richtig groß sein. Oder vielleicht hat auch schon eine gewisse Angstlähmung bei mir eingesetzt. Heute Morgen bin ich noch voller Elan aufgewacht, früh aufgestanden, habe fest entschlossen, dass Seminar geschwänzt, um letzte Vorbereitungen für den morgigen Tag zu treffen. Im Endeffekt konnte ich mich bis etwa 15.00 Uhr gar nicht aufraffen, was heißt, dass ich entweder a) hätte ausschlafen oder b) das Seminar hätte besuchen können. Aber wie sagt man doch gleich so schön: "Hätte, hätte, Fahrradkette!" Jetzt sitze ich hier mit all meinen Notizen um mich herum verstreut, schaue zum gefühlt hundertsten Mal die beiden Filme für eines meiner Prüfungsthemen und versuche, mich zumindest ganz kurz noch einmal abzulenken, bevor ich mich durch eine kurze Nacht arbeiten werde.
Manchmal glaube ich, ich habe das System des minimalen Aufwands bei maximalem Gewinn durchaus perfektioniert. Immerhin habe ich seit Silvester fast drei Staffeln Gilmore Girls gesehen, dabei keine einzige Folge meiner sonstigen Serien verpasst, war arbeiten, feiern und habe zwischendurch sogar mal ein Auge zugemacht. Wenn mir jemand ein Zeitumkehrer-Stundenglas wie das von Hermine in Harry Potter anbieten würde, ich wäre sofort dabei. Dann hätte ich nämlich die Zeit dafür, allen Dingen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient hätten. Ohja.

Ich würde ja gern noch viel mehr darüber schreiben, wie ich es schaffe, jedes Mal meine Zeit zu vertrödeln, aber das würde in diesem Fall bedeuten, dass ich noch mehr Zeit vertrödele, die ich eigentlich für etwas ganz anderes (und, nebenbei gesagt: viel Wichtigeres) aufwenden sollte. Also, Daumen drücken ist angesagt.

PS. Sobald ich es geschafft, die für heute angesetzte Reportage komplett zu schauen und auch die dazugehörigen Texte zu lesen, werde ich hier darüber schreiben. Auch wenn ich den Gastvortrag heute verpasst habe, spannend ist das Thema allemal.

Dienstag, 8. Januar 2013

DIENSTAG #13

"Liebe in Zeiten des Internets". Mal ehrlich, warum reden wir ausgerechnet über so ein Thema? Vor allem ausgerechnet dann, wenn ich im Anschluss eine Klausur schreibe. Wer hat sich das denn ausgedacht?

Ein Teil des Kurses guckt schon bei dem Versuch, "Liebe" zu definieren leicht beschämt zu Boden. Wir sind nicht die ersten, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Ganze Bücher wurden dazu schon geschrieben, Philosophen, Naturwissenschaftler und viele andere haben sich deswegen bereits den Kopf zerbrochen. Da muss man doch nicht an einem Dienstagmorgen so eine Frage stellen. Für mich war der Tag ohnehin schon gelaufen angesichts einer Klausur, auf die ich mich nur leidlich vorbereitet hatte. Der einzige Trost: Das war tatsächlich die letzte Klausur meines Bachelor-Studiums und letztendlich gar nicht mal schwer. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich bestimmt auch mal einen Blick in den Text geworfen, der für die heutige Sitzung vorgesehen war.

Mitterweile habe ich es geschafft, den Text zumindest zu überfliegen, denn das Thema "Liebe in Zeiten des Internets" ist ja prinzipiell nicht unspannend. Ich kenne Paare, die sich im Netz kennengelernt haben und zusammen glücklicher nicht sein könnten. Genauso kenne ich aber auch Menschen, die dabei ganz fürchterliche Erfahrungen gemacht haben. Ich für meinen Teil kann ehrlich zugeben, dass ich über das Internet jetzt vielleicht nicht unbedingt Liebe gefunden habe - dafür aber Menschen kennengelernt habe, die ich zu meinen engsten Freunden zähle. Selbst einen Teil meiner Kommilitonen habe ich damals (ist ja nun schon ein Weilchen her) über StudiVZ kennengelernt, bevor wir uns auf einen Cocktail im Bermudadreieck getroffen haben.

Freundschaft oder Liebe aus einer Internetbekanntschaft heraus kann meiner Meinung nach durchaus funktionieren, ist allerdings in manchen Punkten bestimmt nicht einfach. Schließlich versucht jeder (zumindest ein wenig), nicht sich selbst, sondern vielmehr ein Idealbild von sich selbst im Netz zu präsentieren. Das ist ja irgendwo selbstverständlich, auch von mir wird man keine ungeschminkten Zombie-Wahrheiten oder Partybilder mit Zigarette und Schnaps in der Hand finden. Zumindest nicht ohne Weiteres. Allerdings versuche ich dennoch, möglichst wenig zu schönen und mir wurde auch schon gesagt, dass ich mich mündlich tatsächlich genauso artikuliere wie in Nachrichten über WhatsApp oder Facebook. Finde ich auch wichtig. Natürlich möchte ich nicht, dass man zu viele Rückschlüsse auf meine Person ziehen kann, wenn ich mich im Netz bewege - ich probiere einfach, da eine möglichst gesunde Balance zu finden.

Dienstag, 1. Januar 2013

DIENSTAG #12

2013 kann nur besser werden als 2012, auch wenn es eindeutig schräger anfing. Ich meine, wer sitzt denn schon um Punkt Mitternacht in einem Taxi auf einer wilden Fahrt durch Münster und rauscht gerade durch den Ludgerikreisel, während überall Raketen abgefeuert werden. Eine Freundin und ich waren, um diese spontane Aktion zu erklären, kurz zuvor von einer Party im Stil der 20er Jahre geflüchtet, da wir die coolsten Gäste ohnehin bereits beim Vortrinken getroffen hatten. Also liefen wir etwas unbeholfen, aber doch sehr nüchtern, in Pailettenkleidchen durch die Osnabrücker Innenstadt, um den letzten Zug gen Heimat zu erwischen. Im Zug wurden Federboa und Kopfschmuck direkt in den Rucksack verbannt und das Kleid gegen T-Shirt und Jeans getauscht. So ist es ja doch am schönsten.
Am Reiseziel angekommen wurden wir auch gleich schon von denen in die Arme geschlossen, die in der WG feierten. Böller bis zum Abwinken, Sekt aus der Flasche und ein Neujahrsfoto. Danach folgten Gilmore Girls und Katzenkuschelei, bevor ich gegen vier Uhr noch einmal den Stadtteil wechselte. Es ist übrigens alles andere als großartig, in einem Bus voller Betrunkener zu sitzen, wenn man selbst nicht einmal annähernd auf dem gleichen Pegel ist. Nachdem ich für die letzten drei Stationen etwa 15 Minuten brauchte, ärgerte ich mich auch sehrst, nicht einfach vom Hauptbahnhof aus gelaufen zu sein.
Immerhin schien ich auf meinem Rückweg am Nachmittag genauso gerädert zu sein wie alle anderen, die sich ebenso wie ich nach draußen getraut hatten. Es folgten weitere Stunden im Bett mit Katzen auf dem Bauch, noch mehr Gilmore Girls und chinesischem Essen.

Wenn 2014 ansteht, werde ich es genauso machen wie sonst auch: Stressfrei im Bett. Wie wir es zunächst auch geplant hatten. Man lässt sich ja doch so leicht mitreißen und folgt dem Zwang, un-be-dingt Spaß haben zu müssen. Das ist ist genauso wie mit den guten Vorsätzen - klappt eh nicht.

Dienstag, 25. Dezember 2012

DIENSTAG #11

Um eines vorweg zu sagen: Ich bin kein großer Freund von Weihnachten. Das liegt wohl nicht am Fest selbst - schließlich wurde ich ja getauft, habe einen katholischen Kindergarten besucht, bin zur Erstkommunion gegangen, bin auf eine private Schule mit christlicher Ausrichtung gegangen, wurde gefirmt, usw. - sondern vielmehr am gezwungenen Familienfrieden.
Immerhin. Der erste Weihnachtsfeiertag ist (Gott sei Dank!) für meine Familie schon der Abschluss dieser Feierlichkeiten. An Heiligabend wird jedes Jahr rotiert. Mal bei uns, dann wieder bei den Tanten mütterlicherseits. Seit 2011 wird auf ein feudales Drei-Gänge-Menü verzichtet, nachdem sich ein Teil der Familie quergestellt hatte, weil ein Drittel immer etwas zu nörgeln hatte. "Ihh, Zwiebeln! Ihh, Pilze! Ihh, Ziegenkäse!" Man sagt ja: Was der Bauer nicht kennt... Bei manchen Familienmitgliedern hat dieses Sprichwort allerdings unfassbare Dimensionen angenommen, dass sie sich statt das Menü tatsächlich mal in seiner Gesamtheit zu kosten im Anschluss lieber 'nen Döner kaufen. In diesem Jahr wurde meine Großmutter zum erstmal Mal entlastet, was das Menü angeht. Es ging ausnahmsweise mal in ein Restaurant, deutsche, gut bürgerliche Küche, damit auch keiner etwas zu meckern hat. Nachdem mein Magen immer noch vom Abend zuvor brodelte und der Teil der Familie, der schon am Abend zuvor fehlte, nun verkatert und mies gelaunt am Tisch saß, musste ich mir, der anscheinend einmal mehr der Part der Kinderbespaßung zufiel, den Tag wohl schön trinken. (Haben die nach Großmutters 80. Geburtstag eigentlich gar nichts gelernt? Keine fünf Minuten hat es gedauert, bis eins der beiden mir anvertrauten Kinder blutete.) Nach dem ersten Gang musste ich bereits feststellen, dass mein Magen randvoll war und die sogenannte Fressnarkose setzte ein. Kein Wunder. Die Nacht davor wurde ich von den Nachrichten jener wachgehalten, für die es selbstverständlich zu sein scheint, an Heiligabend noch ordentlich zu feiern. Da ich allerdings gewisses Leid, was Familientreffen angeht, gewöhnt bin, versuchte ich zumindest, so zu tun, als ob ich noch essen würde. Das heißt, ich habe mein Essen noch ein bisschen hin und her geschoben in der Hoffnung, es würde niemandem auffallen. Nach 22 Jahren habe ich da schon eine gewisse Taktik entwickelt. Spätestens beim Dessert nörgelten die Kinder, dass sie jetzt(!) sofort(!) mit ihrem Nintendo 3DS XL spielen müssen.(War ich als Kind auch so schlimm?) Der Kopf dröhnte von der Lautstärke, das Bier machte es irgendwie auch nicht besser und so verschwand ich immer häufiger in Richtung Toilette, um mich mit meinen ebenfalls leidenden Freunden per WhatsApp auszutauschen. Während bei einem Teil der Familie das ständige Umsorgen des Smartphones akzeptiert zu sein scheint, wird ein derartiges Verhalten in meiner nuclear family (schönes Wort, oder?) gemaßregelt.

Nach zwei Stunden Dauerlächelns und mit einem leichten Schwips ging es endlich wieder nach Hause, wo ich meinen verdienten Schlaf nachholen konnte. Wieder ein Weihnachtsfest überlebt.
Die weitere Tagesplanung: Gleich geht es nach Münster, ein kühles Bier, ein warmes Bett, ein guter Film. So sollte Weihnachten eigentlich laufen.

Dienstag, 18. Dezember 2012

DIENSTAG #10

Tweet des Tages:
A: "Wenn euch über Weihnachten wieder langweilig ist, könnt ihr dann trotzdem bitte hier die Fresse halten?"
- K: "<3"

Weihnachten rückt immer näher - und was mache ich? Ich lieg' krank im Bett. Ich muss schon zugeben, das war tatsächlich  'ne miese Idee, zum Sport zu gehen, wenn man schon ein Kratzen im Hals verspürt. Aber nein, Kim, du musst fit bleiben! Geh lieber mal! Äh, ja. Wie gesagt, ich hatte schon bessere Ideen. Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass mein anscheinend hochinfektiöses Nachhilfekind mich angesteckt hat. Ich kam da am Freitag mal wieder an, um mir dann sagen zu lassen, dass das arme Kind die ganze Woch krank war, aber jetzt dank verschiedener Medikamente nicht mehr ansteckend wäre. Ein drittes Mal werde ich bestimmt nicht brauchen, um meine Lektion zu lernen. Beim nächsten Mal nehme ich die Beine in die Hand und renne.

Ich glaube, ich habe es nicht einmal geschafft, den Text (oder waren es die Texte?) für heute auszudrucken - geschweige denn zu lesen natürlich. Der heutige Tag wird wohl aus eher spärlichen Notizen rekonstruiert werden müssen. Mein Kopf ist - zumindest fühlt es sich so an - gefüllt mit Schleim, alles dröhnt und meine einzige Mahlzeit kann man oben bewundern. Super. Mal eine Sitzung zu verpassen, das ist ja ganz okay. Wenn es nur so wäre! Es gibt nämlich zwei Gründe, die den heutigen Totalausfall ziemlich ärgerlich machen: a) Geert Lovink ist als Gastdozent in der heutigen Sitzung gewesen und b) war heute die letzte Sitzung einer anderen Lehrveranstaltung vor der Klausur. Das heißt, ich werde im nächsten Jahr blindlings in mein Verderben laufen. Das ist zwar nichts Neues, aber dennoch - wie gesagt - durchaus ärgerlich.

Dienstag, 6. November 2012

DIENSTAG #4

Ich bin unfassbar motiviert. Nicht. Den größten Teil der heutigen Seminarsitzung habe ich bereits erfolgreich verdrängt. Wie soll man denn überhaupt etwas lernen, wenn man anschließend eine zweiminüte "Rede" halten muss, die zu allem Überfluss auch noch auf Video aufgezeichnet wird? Da suche ich mir schon ein Thema aus, das ich in- und auswendig beherrsche, da packt mich der Zeitdruck und ich mache das, was ich am besten kann: schnell reden. Viel zu schnell. Immerhin fließt das nicht in unsere Endnote ein und ich muss mir den Mitschnitt, den wir nächste Woche bekommen nur ein einziges Mal ansehen. Das werde ich natürlich bis zum Ende des Semesters aufschieben, um nicht an dieses durchaus unangenehme Ereignis erinnert zu werden. Immerhin ereilte mich noch die freudige Botschaft einer eingetrudelten Note. Ich liebe das ja. VSPL verschickt Mails mit dem Hinweis auf eine neu eingetragene Note. Natürlich (ich nehme mal an aus Datenschutzgründen) findet man die eigentliche Note nicht in der Mail. Man kann sie auch nicht mal eben so online nachschauen. Sonst würde ich das ja mit meinem ultramodernen Handy tun. Aber nein, man braucht ja seinen Kartenleser für so etwas. Umstand lässt grüßen. Der Umstand wird aber wie so oft dadurch gerechtfertigt, dass ich eher tanzen als weinen möchte beim Anblick meiner Note. 1,3 für eine Linguistik-Übung, in der man quasi nix gelernt hat? Geht klar! Ebenso konnte die Nachbesprechung für den ziemlich reibungslosen Einsatz in Unna-Massen (ich berichtete) meine Laune etwas heben. Nur weil mal etwas nicht perfekt gelaufen ist, muss ich mir nicht die Decke über den Kopf ziehen und mich in Grund und Boden schämen. Sollte ich zumindest nicht. Hauptsache, da steht eine Eins vor dem Komma. (Ha ha.)

Nichtsdestotrotz habe ich gerade noch einmal einen kurzen Blick in den Text geworfen, um noch ein paar kurze Gedanken zur heutigen Sitzung festzuhalten. Stichwort: Selbstreflexion, Selbstinszenierung. Gemessen an der Tatsache, dass ich mich schon seit Mitte 2005 in "sozialen Medien" tummle, eine durchaus interessante Sache. Ich glaube nicht, dass ich je versucht habe, mich wirklich anders darzustellen als ich tatsächlich bin. Aber natürlich wird hier und da auch mal etwas geschönt. Andere Leute müssen ja nicht alles über einen wissen. Davon abgesehen definiert man sich ja auch häufig über ein gewisses Miteinander oder Abgrenzen von Personen, Interessensgebieten usw. Wenn ich über mich rede, dann gehören da auch immer andere Personen dazu. Solche, die mir wichtig sind und deren Meinung mir wichtig ist. Die wollen sich vielleicht nicht unbedingt auf Blogs oder auf Facebook wiederfinden - und das ist auch völlig okay so.
Wenn es um Selbstreflektion geht, kann ich mich selbst zitieren:
7. September 2012
"Sehr, sehr lange hat das Bloggen mir gar nicht mal so gefehlt. Aber irgendwie braucht man es doch, dieses Ventil. Deshalb bin ich wieder hier, auch wenn es in den letzten Monaten einige Veränderungen gab, von denen mich ein paar immer noch sehr beschäftigen und auch jetzt noch manchmal aus der Bahn werfen.
Allerdings war das Bloggen oft eine Stütze für mich, um Ereignisse zu überdenken, zu ordnen - um letzten Endes auch daraus lernen zu können."
So sieht's aus und nicht anders. Vielleicht habe ich auch genau deshalb diese Plattform für meine Form des Dienstagstagebuchs gewählt. Everything happens for a reason und so!